Wie funktionieren zielgerichtete Therapien bei CLL?

Zielgerichtete Therapien nutzen die Tatsache, dass CLL-Krebszellen bestimmte Eigenschaften haben, die sie größtenteils von gesunden Zellen unterscheiden. An diesen Eigenschaften setzen die modernen Substanzen an.

Arzt überreicht Patient Tabletten

Sie blockieren zum Beispiel Signale, die wichtig sind, damit bei einer chronischen lymphatischen Leukämie Krebszellen wachsen oder sich vermehren können. Fachleute nennen diese Medikamente daher Signalweghemmer.
Die Vorgänge im menschlichen Körper sind komplex. Botenstoffe steuern über sogenannte Signalwege unter anderem das Wachstum der Zellen, ihre Vermehrung durch Teilung sowie schließlich sogar das Absterben der Zellen. Das machen sich Medizinerinnen und Mediziner bei der Behandlung der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) zunutze. Denn inzwischen ist ein Teil dieser Signalwege so gut erforscht, dass es möglich ist, diese mit speziellen Substanzen zu blockieren.

Welche zielgerichteten Therapien gibt es bei CLL?

Zielgerichtete Therapien bei chronischer lymphatischer Leukämie unterscheiden sich danach, welcher Signalweg blockiert wird. Es gibt also nicht nur eine Form der Therapie, sondern mehrere. In manchen Fällen können die zielgerichteten Therapien auch mit Antikörpern (siehe Immuntherapie) kombiniert werden. Die Gabe von zielgerichteten Wirkstoffen erfolgt oral als Tablette oder Kapsel.

BTK-Hemmer

Das Enzym Bruton-Tyrosinkinase (BTK) ist wichtig, damit die B-Zellen wachsen und überleben können, und ist bei einer CLL oft verstärkt vorhanden. Die Wirkstoffe Acalabrutinib und Ibrutinib blockieren das BTK-Enzym, wodurch das überschießende Wachstum der krankhaft veränderten B-Lymphozyten verhindert werden kann.

BCL-2-Hemmer

Das BCL-2-Protein verzögert den programmierten Zelltod, der bei gesunden Zellen ganz normal ist. Bei CLL wird dieses Protein verstärkt gebildet. Ohne den programmierten Zelltod können die Krebszellen daher länger überleben und sich im Blut ansammeln. Venetoclax dient als BCL-2-Hemmer und leitet so die planmäßige Zerstörung der Zellen ein. Er wird fast ausschließlich in Kombination mit einem Antikörper eingesetzt.

PI3K-Hemmer

PI3K ist die Kurzform für die sogenannten Phosphoinositid-3-Kinase. Dieses Protein ist sehr wichtig, damit weiße Blutkörperchen wachsen und überleben können. Bei einer CLL sind diese PI3K-Enzyme besonders aktiv, was dazu führt, dass die Krebszellen länger überleben. Der Wirkstoff Idelalisib reguliert diesen Mechanismus und kann so den Blutkrebs zurückdrängen.

Für welche Patientinnen und Patienten sind zielgerichtete Therapien geeignet?

Ärztin klärt Patientin auf

Zielgerichtete Therapien haben bei der Behandlung der CLL inzwischen einen sehr hohen Stellenwert. Sie werden laut Leitlinie für den Großteil der CLL-Patientinnen und CLL-Patienten – auch für diejenigen mit Hochrisiko-Faktoren – empfohlen.

Zusammenfassung

Die Entwicklung der zielgerichteten Therapien war ein Durchbruch in der Behandlung der CLL. Sie nehmen Einfluss auf konkrete Signalwege und hemmen dadurch Wachstum, Vermehrung und Überleben der Krebszellen. Es gibt drei verschiedene Wirkstoffgruppen, die entweder allein (als Monotherapie) oder in Kombination mit einem Antikörper eingesetzt werden können.

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