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8 Fragen zu Infektionen: Erreger, Impfungen, Neuigkeiten

 

In den ersten Monaten des Jahres 2025 haben Atemwegsinfektionen – allen voran die Grippe (Influenza) – wieder Hochkonjunktur. Menschen mit einer chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) sind besonders gefährdet, sich anzustecken und schwere Verläufe zu entwickeln. Hier einige aktuelle und grundsätzliche Fakten zu Infektionskrankheiten.

 

1. Warum sind Infektionen für Menschen mit CLL besonders gefährlich?

Das Immunsystem von Menschen mit CLL kann durch die Erkrankung und möglicherweise auch durch die Therapie geschwächt sein.

Aufgrund der CLL kommt es zu einer Vermehrung entarteter B-Zellen (weiße Blutkörperchen vom Typ der B-Lymphozyten). Diese verdrängen gesunde B-Zellen, die für die Bildung von Antikörpern zuständig sind und so dabei helfen, den Organismus vor Infektionen und anderen Krankheiten zu schützen.  Besonders bei Menschen mit fortgeschrittener CLL nimmt die Zahl der funktionsfähigen B-Zellen weiter ab.

Hinzu kommt, dass bei CLL gängige Behandlungen wie insbesondere die zielgerichteten Therapien die körpereigene Abwehr zusätzlich unterdrücken können.

Beides führt dazu, dass Menschen mit CLL anfälliger für Infektionskrankheiten sind als Gesunde. Außerdem besteht für sie das Risiko, dass die Infektionskrankheiten einen schweren Verlauf nehmen.

 

2. Welche Infektionskrankheiten kursieren Anfang 2025?

Das Robert Koch Institut (RKI) sieht die Grippewelle Mitte Februar 2025 auf ihrem Höhepunkt. Das RKI schätzt, dass zu diesem Zeitpunkt etwa 7,5 Millionen Deutsche unter einer akuten Atemwegserkrankung leiden. Das sei ein hohes Niveau, teilt das RKI mit.

Zu diesem Zeitpunkt grassierten Grippe (Influenza), Erkältungen (grippale Infekte) und auch noch COVID-19 und das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV). RSV-Infektionen können zu leichten, aber auch zu schweren Atemwegsinfektionen führen. Von RSV sind aktuell vor allem Kinder unter 5 Jahren betroffen. Menschen mit einem geschwächten Immunsystem haben ein erhöhtes Risiko, schwer an RSV-Infektionen zu erkranken (siehe dazu Frage 3).

 

3. Gibt es neue Empfehlungen zum besseren Infektionsschutz von Menschen mit Erkrankungen wie CLL?

Ja. Die für Infektionen zuständige Fachgruppe der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO) hat ihre Empfehlungen aktualisiert. Sie empfiehlt die Impfung gegen RSV bereits für junge Erwachsene, die von hämatologischen Erkrankungen, also Krebserkrankungen des blutbildenden Systems, betroffen sind. CLL ist eine solche Erkrankung.

Die drei 2023 und 2024 neu zugelassenen Impfstoffe gegen RSV sind aktuell zur Verwendung bei Menschen ab 60 Jahren, bei Risikogruppen ab 50 Jahren, zugelassen. Die DGHO betont, sie empfehle die Impfung trotzdem auch für jüngere Erwachsene mit geschwächtem Immunsystem, da bei ihnen der Nutzen das Risiko überwiegt.

Wenn Sie als erwachsener CLL-Betroffener noch nicht gegen RSV geimpft sind, sprechen Sie darüber am besten mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.

RSV-Infektionen treten insbesondere in den Wintermonaten als Komplikation bei Menschen mit hämatologischen und onkologischen Erkrankungen auf (also bei Menschen mit Krebserkrankungen des blutbildenden Systems und anderen Krebserkrankungen) und können bei ihnen lebensbedrohlich werden.

 

4. Können Noroviren zu Gefahr werden?

Anfang 2025 gab es auffällig viele Erkrankungen durch Noroviren. Noroviren bewirken Magen-Darm-Erkrankungen. Sie beginnen zumeist plötzlich mit heftigem Durchfall, Übelkeit und schwallartigem Erbrechen. Dazu können Bauch- und Muskelschmerzen kommen und ein starkes Krankheitsgefühl. Die Beschwerden klingen meist nach 1 bis 2 Tagen vollständig wieder ab.  Für Risikogruppen kann besonders der Flüssigkeitsverlust gefährlich werden, der sich durch Erbrechen und Durchfall einstellen kann. Eine Impfung gegen Noroviren ist aktuell nicht möglich.

 

5. Was ist ein Krankenhauskeim?

Krankenhauskeime sind Mikroorganismen, mit denen sich Patient:innen im Rahmen einer Klinikbehandlung infizieren können und die schwere Infektionskrankheiten auslösen können. Der Fachbegriff dafür lautet Nosokomiale Erreger. Es handelt sich dabei um bestimmte Bakterien. Ihre Verbreitung wird gefördert durch mangelnde Hygiene und falsch angewendete Antibiotika.

Bekannt sind die sogenannten „ESKAPE“-Keime. Das sind Enterococcus faecium, Staphylococcus aureus, Klebsiella pneumoniae, Acinetobacter baumannii, Pseudomonas aeruginosa und Enterobacter-Arten. Diese können u.a. Harnwegsinfektionen, Lungenentzündungen oder Wundinfektionen auslösen.

Besonders gefährlich sind dabei Bakterien, die gegen Antibiotika resistent sind, sogenannte multiresistente Keime. Zu ihrer Bekämpfung ist häufig der Rückgriff auf wenige Reserveantibiotika nötig.

 

6. Wann spricht man von einer Superinfektion?

Von einer Superinfektion spricht man, wenn sich Menschen, die bereits an einer Infektion erkrankt sind, mit einem weiteren Erreger anstecken. Meist kommt zu einem Virusinfekt noch ein bakterieller Infekt hinzu. Weil die Erstinfektion den Körper schwächt, hat es der zweite Erreger häufig leichter, in den Körper einzudringen. Der zweite Infekt kann wesentlich schwerwiegender verlaufen als die ursprüngliche Erkrankung.

Es ist wichtig, eine Superinfektion rechtzeitig zu behandeln.

 

7. Helfen Antibiotika gegen Infektionskrankheiten?

Antibiotika sind nur gegen Bakterien wirksam. Sie helfen nicht gegen Viren. Dabei gibt es unterschiedliche Antibiotika-Gruppen: Manche töten die Erreger ab, andere hemmen ihr Wachstum. Zudem wirken sogenannte Breitbandantibiotika gegen viele Bakterien, während andere nur die Erreger bestimmter Infektionskrankheiten bekämpfen können.

Antibiotika falsch anzuwenden kann problematische Folgen haben. Wenn Antibiotika zum Beispiel zu früh abgesetzt oder unnötig verschrieben werden, können Bakterien gegen das Medikament resistent werden, und das Medikament kann seine Wirkung verlieren. Man spricht dann von multiresistenten Keimen: Längere und schwerere Krankheitsverläufe können die Folge sein.

Daher beachten Sie bei der Einnahme von Antibiotika immer die ärztlichen Hinweise und nehmen Sie keine noch vorhandenen Antibiotika „auf Verdacht“ ein.

 

8. Wie können sich Menschen mit CLL grundsätzlich vor Infektionen schützen?

Das Risiko, sich mit Infektionskrankheiten anzustecken und schwere Verläufe zu erleben, lässt sich senken. Wichtigste Vorsichtsmaßnahmen sind Impfungen und die Einhaltung der Hygieneregeln.

Die wichtigsten Hygieneregeln, gerade auch für Menschen mit CLL:

  • Abstand halten, speziell, wenn andere Menschen erkennbar erkrankt sind. Insbesondere in der Erkältungssaison Menschenmassen meiden.
  • Regelmäßig und gründlich Hände mit Seife waschen, besonders nach jeden Toilettengang sowie vor der Zubereitung und dem Verzehr von Mahlzeiten.
  • Obst und Gemüse vor dem Verzehr gründlich waschen oder schälen.
  • In Alltagssituationen, in denen Abstand halten nicht möglich ist (etwa in vollen Bussen und Bahnen oder gut besuchten Wartezimmern), einen medizinischen Mund-Nase-Schutz tragen.
  • Regelmäßig lüften

Beim Impfen sollte man die Empfehlungen der STIKO beachten, sich aber im Einzelfall am besten immer ärztlichen Rat einholen. Die STIKO empfiehlt für Risikogruppen Impfungen gegen:

  • Grippe (Influenza) vorzugsweise ab Oktober bis Mitte Dezember (auch Angehörige)
  • Meningokokken
  • Pneumokokken
  • Keuchhusten
  • Herpes Zoster (ab einem Alter von 50 Jahren)
  • Menschen mit Immunschwäche – und Ihre Angehörigen – sollten vollständig gegen Covid-19 geimpft werden.

Während die STIKO die Impfung gegen RSV für Menschen mit Immunschwäche ab 60 Jahren empfiehlt, befürwortet die DGHO RSV-Impfungen für Immungeschwächte bereits für junge Erwachsene (siehe Frage 3).

 

Zusammenfassung

Die Gefahr, sich mit Infektionserkrankungen anzustecken, ist im Winterhalbjahr besonders hoch. Menschen mit geschwächtem Immunsystem stecken sich leichter an als Gesunde. Zudem haben sie ein erhöhtes Risiko, schwere Verläufe zu erleiden. Neben Atemwegserkrankungen kursieren Anfang des Jahres 2025 unter anderem auch Noroviren, die Magen-Darm-Erkrankungen auslösen.

Bei der Einnahme von Medikamenten sollte man den ärztlichen Rat befolgen. Falsch angewendete Antibiotika können zum Beispiel nicht nur wirkungslos sein, sondern Resistenzen dagegen fördern.

Gegen die Ansteckung mit vielen Infektionskrankheiten – beziehungsweise gegen schwere Verläufe – bieten Impfungen einen wirksamen Schutz. Relativ neu sind Impfungen gegen RSV. Idealerweise lassen Sie Ihren Impfstatus regelmäßig checken und bei Bedarf auf den neuesten Stand bringen.

Wichtig ist aber auch die Einhaltung der Hygieneregeln.

Nach der Erkältungssaison wird die Ansteckungsgefahr zwar geringer, sie besteht aber auch in den warmen Monaten. Daher sollten gerade Menschen mit geschwächtem Immunsystem das ganze Jahr über an den Infektionsschutz denken.

 

 

 

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