Etwa 42.000 Menschen (Stand 2023) erkranken in Deutschland pro Jahr neu an Blutkrebs.1 Am 28. Mai macht der jährliche Weltblutkrebstag auf die Herausforderungen für Betroffene und ihre Angehörigen aufmerksam.
Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) nimmt das Datum zum Anlass, um für die Registrierung neuer Stammzellspender:innen zu werben. Darüber hinaus soll der Tag auch dazu dienen, über die verschiedenen Erkrankungen aufzuklären, die unter dem umgangssprachlichen Begriff Blutkrebs zusammengefasst werden. Auch die chronische lymphatische Leukämie (CLL) zählt dazu.
Bis heute kursieren zu den Themen Blutkrebs und Leukämie viele Missverständnisse und Halbwahrheiten. Wir beleuchten gängige Mythen rund um die Erkrankung:
Ist Blutkrebs immer auch eine Leukämie?
Das heißt also: Jede Leukämie ist eine Form von Blutkrebs, aber längst nicht jeder Blutkrebs ist eine Leukämie.
Verläuft Blutkrebs immer aggressiv?
Nein, Blutkrebs bedeutet nicht automatisch einen schnellen Verlauf. Man unterscheidet unter anderem akute und chronische Formen von Blutkrebserkrankungen. Akut heißt, dass eine Erkrankungen plötzlich auftritt und/oder schnell und aggressiv verlaufen kann. Chronische Formen entwickeln sich dagegen eher langsam. Die CLL gehört zu den chronischen Formen und schreitet meist sehr langsam voran. Wenn Sie sich unsicher sind, wie der Verlauf Ihrer Erkrankung einzuschätzen ist, sprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
Muss Blutkrebs immer sofort behandelt werden?
Ob eine Blutkrebserkrankung einen sofortigen Behandlungsbeginn erfordert, kommt auf die Art der Erkrankung und das Krankheitsstadium an. Es gibt auch sogenannte indolente Formen von Erkrankungen. Das bedeutet, dass sie sich in der Regel langsam und wenig aggressiv entwickeln. Es gibt Fälle, bei denen zunächst mit dem Beginn einer Therapie abgewartet werden kann und die in dieser Zeit lediglich engmaschig kontrolliert werden. Auch bei einigen Menschen mit einer CLL gibt es diese Möglichkeit unter bestimmten Bedingungen. Man spricht dann von „Watch and Wait“. Wenn Sie dafür in Frage kommen, wird Ihnen Ihr Arzt oder Ihre Ärztin dies vorschlagen. Fragen Sie im Zweifel am besten nach.
Wird Blutkrebs immer mit einer Chemotherapie behandelt?
Nein. Die Therapie richtet sich in erster Linie nach Art und Voranschreiten der Erkrankung und der individuellen Situation der Betroffenen. Bei Blutkrebserkrankungen stehen eine Reihe von verschiedenen Therapien zur Verfügung. Gerade bei aggressiven Formen wie der akuten myeloischen Leukämie (AML) kann Chemotherapie eine mögliche Behandlung sein. Bei einer CLL wird die Chemotherapie hingegen heute nur noch in seltenen Einzelfällen eingesetzt. Wesentlich wichtiger sind heute die zielgerichteten Therapien.
Betrifft Blutkrebs nur Ältere?
Nein. Das Auftreten von Blutkrebserkrankungen ist grundsätzlich in jedem Alter möglich. Bei den meisten Arten von Blutkrebs steigt das Erkrankungsrisiko mit zunehmendem Alter. Bei der CLL liegt das Alter bei der Diagnose hingegen im Mittel bei 72 Jahren für Männer und 75 Jahren für Frauen.2 Umgangssprachlich wird die CLL daher gelegentlich als „Altersleukämie“ bezeichnet. Die akute lymphatische Leukämie (ALL) hingegen betrifft oft eher Kinder.
Ist Blutkrebs ansteckend?
Das lässt sich schnell beantworten: Nein, keine der verschiedenen Blutkrebserkrankungen ist ansteckend. Es braucht also niemand Angst vor dem Umgang mit Menschen mit Blutkrebs zu haben.
Wird Leukämie vererbt?
Das ist nicht so einfach zu beantworten. Ein höheres Risiko, im Lauf des Lebens an einer Leukämie zu erkranken, kann angeboren sein. Das ist jedoch selten. Bei den meisten Betroffenen liegt kein ererbter Fehler in der Erbsubstanz vor. In den meisten Fällen kann keine eindeutige Ursache gefunden werden. Bei der CLL gibt es Hinweise darauf, dass die Vererbung eine Rolle spielen kann.
Sollte man mit Blutkrebs noch Sport machen?
Die Antwort auf diese Frage sollte man im ärztlichen Gespräch klären. Grundsätzlich gilt, dass Krebspatient:innen fast immer von Sport profitieren. Es gibt zum Beispiel Hinweise, dass ein regelmäßiges, langsam aufgebautes und angepasstes Bewegungsprogramm Depressivität und Fatigue mindern könnte. Ein Pauschalrezept, wieviel Bewegung im Einzelfall gut ist, existiert natürlich nicht. Bei der Frage nach der passenden Sportart und Intensität sollte man sich am ärztlichen Rat orientieren und daran, worauf man Lust hat und was Spaß macht.
Auch bei einer CLL gilt: Bewegung kann sich in fast jedem Stadium der Erkrankung positiv auf das Wohlbefinden auswirken.
Betrifft Blutkrebs nur das Blut?
Nein. Bei Blutkrebserkrankungen können erkrankte Zellen – je nach Art der Erkrankung über den Blutkreislauf und das lymphatische System – in verschiedene Organe und Gewebe gelangen. Bei einer CLL können erkrankte Zellen im Blut, aber auch in den lymphatischen Organen (wie Lymphknoten und Milz) und im Knochenmark auftreten.
Zusammenfassung
Der Begriff „Blutkrebs“ klingt häufig erstmal erschreckend und bedrohlich. Doch dahinter verbergen sich viele unterschiedliche Arten von Erkrankungen. Einige schreiten nur sehr langsam voran. In manchen Fällen ist daher zunächst gar keine Behandlung nötig. Häufig werden unter dem Stichwort „Blutkrebs“ eine große Zahl von Erkrankungen in einen Topf geworfen. Kein Wunder, dass dazu viele Missverständnisse und Verallgemeinerungen kursieren. Umso wichtiger ist es für Betroffene, seriöse Informationen zu nutzen. Der Weltblutkrebstag am 28. Mai soll daher auch über die verschiedenen, unter diesem Begriff zusammengefassten Erkrankungen aufklären.
Quellen:
1 Zentrum für Krebsregisterdaten, Krebs in Deutschland für 2021 – 2023, Berlin 2026, Online: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/krebs_in_deutschland_2025.pdf (zuletzt abgerufen: 27.05.2026)
2 Zentrum für Krebsregisterdaten, Leukämien, Berlin 2024, Online: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Leukaemien/leukaemien_node.html (zuletzt abgerufen: 27.05.2026)








