„Winterblues“
oder Depression?
So kommen Sie gut
durch die dunklen Tage

Frau blickt nachdenklich in die Ferne

Draußen ist es in diesen Wochen ständig nasskalt und früh dunkel. Es scheint an vielen Tagen gar nicht mehr richtig hell zu werden. Die warmen Wochen des Sommers sind eine weit zurückliegende Erinnerung. Und bis zu den ersten Tagen ohne Jacke ist es noch lange hin.

Dass Menschen die scheinbar endlose dunkle Jahreszeit als besonders belastend empfinden und häufiger ins Grübeln kommen als an warmen, sonnigen Tagen, ist nicht ungewöhnlich.

Für dieses Phänomen gibt es den saloppen Namen „Winterblues“ – und es betrifft natürlich auch Krebspatient:innen. Eigentlich sollte die phasenweise schlechte Stimmung zügig von selbst wieder verschwinden. Doch was ist, wenn das nicht passiert?

Immerhin sind nach einer Expert:innenschätzung etwa 2,5 Prozent der Menschen im deutschsprachigen Raum jährlich von einer Herbst-Winter-Depression betroffen. Der medizinische Fachausdruck dafür ist Saisonal-Abhängige-Depression (SAD).

Aber wie erkennt man, ob man lediglich ein momentanes Stimmungstief erwischt hat oder ob man unter einer Winterdepression leidet, also einem eigenen Krankheitsbild? Und was kann man selbst dagegen tun?

 

„Winterblues“ oder Depression?

Eine Depression zu erkennen und von einem momentanen Stimmungstief abzugrenzen, ist nicht immer einfach. Einen Hinweis kann die Dauer des Gemütszustands geben: Bei einem „Winterblues“ schwankt die Stimmung tageweise. Es gibt zwischendurch auch Abschnitte, die als positiv erlebt werden.

Das Krankheitsbild Winterdepression (also eine SAD in der dunklen Jahreszeit) zeichnet sich hingegen dadurch aus, dass traurige Gefühle und negative Gedanken nicht nur zeitweise vorherrschen, sondern länger als zwei Wochen anhalten und dabei das ganze Leben bestimmen.

Grund für eine SAD kann der Mangel an Sonnenlicht in der dunklen Jahreszeit sein, also die insgesamt schwächere Lichtintensität und die verkürzten Tageslichtzeiten. Denn der Lichtmangel ruft biochemische Reaktionen im Gehirn hervor, die eine Depression begünstigen können.

 

Merkmale einer Depression

Erste Hinweise, ob eine Depression vorliegt, kann der „Zwei-Fragen-Test“ liefern. Die Fragen lauten:

  • Fühlten Sie sich im vergangenen Monat häufig niedergeschlagen, traurig, bedrückt oder ohne Hoffnung?
  • Hatten Sie im vergangenen Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun?

Wer beide Fragen mir „Ja“ beantwortet, sollte nach Ansicht von Expert:innen einen Arzt oder eine Ärztin, bzw. eine/n Psychotherapeut:in aufsuchen.

Die wichtigsten Merkmale einer Depression, die sogenannten Hauptsymptome, sind laut der aktuellen Nationalen Versorgungsleitlinie „Unipolare Depression“ von 2022:

  • gedrückte, depressive Stimmung;
  • Interessenverlust und Freudlosigkeit;
  • Antriebsmangel und Ermüdbarkeit.

Daneben gibt es noch eine Reihe von Nebensymptomen. Sie sind bei der Diagnose auch wichtig, da sie Rückschlüsse über den Schweregrad zulassen. Dazu zählen:

  • verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit;
  • vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen;
  • Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit;
  • übertriebene Zukunftsängste oder „Schwarzsehen“;
  • Suizidgedanken oder -versuche, Selbstverletzungen.

Besonderheiten der Winterdepression

Während andere Formen der Depression oft zu Schlaf- und Appetitlosigkeit sowie in der Folge zu Gewichtsverlust führen, tritt bei der Winterdepression häufig das Gegenteil auf.
Ein Kennzeichen der Winterdepression ist, dass Betroffene Heißhunger bekommen, unter anderem auf Süßes, und eher Gewicht zulegen. Menschen mit diesem Typ der Depression zeigen auch oft ein vermehrtes Schlafbedürfnis.

 

Kann künstliches Licht helfen?

Beim Vorliegen einer Depression ist ärztliche Hilfe nötig. Es gibt Therapien und Medikamente, sogenannte Antidepressiva, die helfen können. Bei saisonalen Depressionen empfiehlt die medizinische Leitlinie „Unipolare Depression“ zudem einen Therapieversuch mit Lichttherapie.

Eine Lichttherapie wird mithilfe spezieller aufstellbarer Lampen durchgeführt. Die verwendeten Lichtstärken (2.500 bis 10.000 Lux) liegen unter der Helligkeit eines bedeckten Sommertages (20.000 Lux). Sie sind aber deutlich intensiver als die Helligkeit in einem normal beleuchteten Zimmer, die bei etwa 500 Lux liegt. Patient:innen sollen nach dem Aufstehen am Morgen über zwei bis vier Wochen für eine halbe bis zwei Stunden direkt in die nahe Lichtquelle sehen.

Das unabhängige Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat im Jahr 2020 mehrere hochwertige Studien zur Wirkung der Lichttherapie und anderer Therapien gegen saisonale Depressionen auswerten lassen. Dabei ergaben sich Hinweise darauf, dass die Lichttherapie die Symptome einer Depression nach einer Therapiedauer zwischen zwei und acht Wochen stärker verbessert als eine Placebo-Behandlung. Der Nutzen der Lampen war vergleichbar mit dem einer kognitiven Verhaltenstherapie.

Besonders helle Lampen (oft als „Lichtduschen“ bezeichnet) sind zwar frei verkäuflich, vor der Nutzung sollte man jedoch ärztlichen Rat einholen. Eine Lichttherapie darf nur von Arzt oder Ärztin verschrieben werden.

Was Sie selbst tun können

Betroffene eines seelischen „Wintertiefs“ können selbst etwas tun, um ihre Stimmung zu verbessern. Besonders zu empfehlen sind Bewegung (am besten an der frischen Luft) und eine ausgewogene Ernährung.

Dass Bewegung insbesondere für CLL-Patient:innen einige Vorteile hat, betont auch die medizinische Leitlinie. Demnach kann ein leichtes, an die Bedürfnisse der Betroffenen angepasstes Training unter anderem dabei helfen, Fatigue (chronische Erschöpfung) zu lindern. Darüber hinaus kann Bewegung dazu beitragen, Angst, Depressionen und Schlafstörungen zu mindern und die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern.

Patient:innen sollten sich einen Sport suchen, der ihnen Spaß macht, egal, ob Yoga, Tanzen oder Laufen. Wichtig ist, dass das Training individuell angepasst ist und die Betroffenen körperlich nicht überfordert. Es gibt zudem spezielle Sportgruppen für Krebskranke. Im Zweifelsfall sollte man vor dem Beginn der Sporteinheiten mit Arzt oder Ärztin sprechen.

 

Zusammenfassung:

Seelische Tiefs gehören bei vielen Menschen mit Krebs zum Alltag. In der dunklen Jahreszeit können diese negativen Stimmungen besonders ausgeprägt sein. Solche Phasen gehen normalerweise auch wieder vorbei. Wenn sie anhalten und schlimmer werden, könnte eine Depression dahinterstecken. Betroffene können professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Einiges kann man auch selbst tun, um gut durch die dunklen Tage zu kommen, zum Beispiel regelmäßige moderate Bewegung.